4.9.6.10 Hintergründe

Ke) Auf Grund von Geschichten wie der unerfüllenden  ersten, welche die Beteiligten für weitere Überlegungen erschöpften, hat sich die Wissenschaft#2 mit der damit allgemein, personen-neutral verbindlich Ke=etablierten Kommunikation entwickelt. Die zweite, auf Lebenserfüllung der Beteiligten hin gerichtete Geschichte muss man von ihren Hintergründen und den damit in Gange gesetzten weiteren Entwicklungen her, wie z.B. den Satz von Phytagoras nachvollziehen. Das ist bekanntlich nicht jedermanns Sache. Also kann man damit keinen Staat und schon gar keine Wissenschaft#2 an sich machen. Zudem wollen deren Hüter für sich selbst, zwecks

Ke-§3) Aufrechterhaltung ihrer Machtpositionen als Forscher, Lehrer, Schreiber höchste Reputation als fachliche Anerkennung für wissenschaftliche Leistungen. Deren sozial anerkannte Originalität soll dadurch an ihren Peers ausgewiesen werden: Wissenschaftliche Reputation ergibt sich aus der kollegialen Anerkennung im jeweiligen Fach/Fragment durch die Forschungsgemeinschaft, welche darüber ausschliesslich verfügt und sie nach Gutdünken verteilt. Dafür sollen die Medien, d.h. die Meinungen Aussenstehender, normalerweise keine Rolle spielen. Damit wird diese Art der Reputation «aus der Mitte der Wissenschaft» heraus zum selbst gezüchteten Eigengewächs, die Legitimation der Öffentlichkeit, «aus der Mitte der Gesellschaft» heraus, als blossen Zugabe eine „nice to have“.  

Ke-§0) Zwecks Nachhaltigkeit der Definitionsmacht der Systemhüter soll der Glauben der Nichtwissenschafter an die grundsätzliche Daseinsberechtigung der Wissenschaft psychopolitisch entsprechend gezüchtet werden. Damit soll deren Förderungswürdigkeit durch die Gesellschaft als Notwendigkeit, und damit die voll Autonomie der Wissenschaft zur Regelung der inneren Angelegenheiten von Forschung und Lehre in eigener Regie, gesichert werden. Die Legitimation der Wissenschaft liegt zwar theoretisch in der Hand der Öffentlichkeit – von der sie allerdings heutzutage nur noch über die Medien an die Wissenschaft heran kommt: vermittelt, zuweilen etwas verstärkt, aber eben nicht legitim gemacht.  Desgleichen kann die Presse die Autonomie der Wissenschaft verteidigen, aber nicht gewähren, wie das in der Sowjetunion gegenüber der Partei üblich gewesen war.

Oe) Die effektive Legitimation in Form von Budgets ist für die Wissenschaft nur vom Staat erhältlich – aus ihrer Sicht leider immer noch wie im 19. Jahrhundert lediglich um den Preis der politischen Enthaltsamkeit, zumindest Zurück-haltung. Inzwischen hat man dafür auch die Wirtschaft als Konkurrenten zum Staat ins Spei gebracht. Damit ist die Autonomie dieser Art der Wissenschaft nicht mehr nur die ursprüngliche Gnadengabe des Staates, sie ist zum Rechts-gut des Staates geworden. Das hat man inzwischen in der Bildungsmafia noch weiter mit "teile und herrsche" dadurch relativiert, dass man sich mit Politik und Wirtschaft verfilzt hat. Das hat zwar 2001 in der Schweiz zum Grounding der Swissair aber selbst in der auch von ihr ihr selbst eingestandenen Krise der Geisteswissenschaften nicht zu deren Absturz geführt. Im Gegenteil, durch die Hintertüre der Bergierkommission, der Expo.02 und der Marthalerisierung hat man sich neue Pfründen eröffnet und sorgt über die Pseudowissenschaft der Wissenschafts-geschichte, z.B. am postnormalen Collegium Helveticum und der universitären Weiterbildung mit fundamentalis-tischen Buddhismus dafür, dass man mindestens ein Schuh im „Vatikan der Wissenschaft“, der ETH, oder eben z.B. via deren von der philosophisch unterwanderten Theologie bestimmten Leitung, in der Universität Zürich hat.  

Oe-§1) Damit kann man verkünden, dass die erste Verantwortung der Wissenschaft die für die Folgen der Forschung zu sein habe. Dies unbeschadet der wissenschaftlichen Güte (Wahrheit, Beweiskräftigkeit usw.) ihrer Ergebnisse, auf die sich die Haftung des Forschers der Moderne bislang beschränkte hatte. Damit soll die Verant-wortungsfrage Teil des wissenschaftlichen Ethos werden, von dem es in der Moderne ebenso ausgeklammert worden war, wie vom Wissenschaftsrecht und vom Selbststeuer-ungssystem der Wissenschaft. So kann Wissenschaft#2 wie vor Galilei Galileo, bzw. der Aufklärung durch die Natur-wissenschaft#1, wieder Leitwissenschaft werden.

Oe-H) Damit wird der Kritik der Forschung hinsichtlich ihrer zur Wissensordnung einer Gesellschaft verbundenen Rahmenbedingungen, welche die normativen Bestimmungen und faktische Verteilung, Verwertung, Verwirklichung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse betreffen, auf sie selbst beschränkt. Damit kann man alle Hoffnung fahren lassen, dass sich die so an sich fehlgeleitete Wissenschaft aus sich selbst heraus, der von ihr gefundenen Tatsache, dass geschlossene Systeme selbstzerstörerisch sind, in ihrem Tun und Lassen „bewusst“ werde. Sie aber kann die Hoffnung hegen und pflegen, dass ihr Paradigma zu dem der globalisierten Neuen, und damit letzen Welt werde.

Oe-L) Damit kann sich deren Kontrolle des wachsenden kognitiv-technischen Komplexes aus Information und Technik, dessen Entwicklung am Ende unseres Jahrhunderts den Bürokratisierungsprozess in Gang gesetzt hat, immer wieder bei jedem Neuanfang fortsetzten. Das brachte zwar die Durchbruchstechniken bis hin zum Internet, in den Blick der Öffentlichkeit und löste Gegenbewegungen aus. Doch nach dem nun vorherrschenden Paradigma zerstören sich solche Bewegungen, wie etwa die der Globalisierungs-gegner oder der Hacker, an sich selbst und liefern dem wirklich vorherrschenden System neue Legitimationen zu seiner Verstärkung an sich selbst unter Kannibalisierung dessen, was es noch nicht beherrscht – am Schluss, wie bei der Swissair, sich selbst. Damit haben wir ein Moloch, der sich wie ein Krebsgeschwür letztlich selbst, also nicht bloss eine Revolution, die ihre Kinder, frisst. So werden wir mehr oder weniger liebvoll eben alle in der Erschöpfung, bzw. im Tode gleich und dann herrscht endlich Friede, auf dem Friedhof. Sigmund Freud hat das in seiner gottlosen Psychologie erkannt, mit der er den Weg vom Libido zum Todesprinzip gegangen ist, was dann Stalin, Hitler et. al. in die Geschichtspraxis umgesetzt haben.